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  • Lea Langha

Präsidentschaftswahlen am 14.01.2021


In Uganda ist momentan nicht nur aufgrund der Corona-Pandemie eine angespannte Stimmung in der Bevölkerung: nächste Woche, am 14.01.2021 stehen Präsidentschaftswahlen an. Wenngleich elf KandidatInnen sich um den Sitz des/der PräsidentIn beworben haben, wird es wohl eher ein Duell zwischen lediglich zwei populären Kandidaten werden. Auf der einen Seite steht der amtierende Präsident Yoweri Museveni (76 Jahre), der nun bereits seit 34 Jahren das Amt bekleidet. Sein berühmtester und wohl auch kritischster Herausforderer ist Robert Kyagulanyi: der 38-jährige ist unter dem Künstlernamen Bobi Wine als Musiker berühmt geworden, sitzt aber nun schon seit 3 Jahren als Abgeordneter im Parlament. Bereits als Musiker hat er sich für Meinungsfreiheit und Toleranz eingesetzt und kritisierte in seinen Liedern und Ansprachen häufig den amtierenden Präsidenten und vorherrschende Missstände im Land.


Uganda hat eine sehr junge Bevölkerung: der Altersdurchschnitt liegt bei 15 Jahren, 50% der Bevölkerung sind unter 14 Jahren alt. Dies bedeutet eben auch, dass der Großteil der Bevölkerung nie einen anderen Präsidenten als den seit 34 Jahren amtierenden Yoweri Museveni erlebt hat.


Die Bevölkerung scheint gespalten: so gibt es zum einen diejenigen, die Angst vor eine Abwahl Musevenis haben, da er seit Beginn seiner Amtszeit für verhältnismäßig ruhige politische Stimmung im Land gesorgt hat. Gerade die älteren Generationen, die unter den Schreckensherrschaften von Milton Obote (1966-1971) und Idi Amin (1971-1979) gelebt haben, haben Sorge vor erneuten Unruhen und gewaltvollen politischen AnführerInnen.


Auf der anderen Seite stehen die (vor allem) jungen Generationen, die in Bobi Wine/Robert Kyagulanyi den Umbruch sehen: von den Medien wird er bereist seit Jahren als „Ghetto President“ bezeichnet, da er Armut bekämpfen möchte und sich stark macht für die Personen aus weniger wohlhabenden Regionen und Familien. Er selbst ist in einem der größten Slums der Hauptstadt geboren und aufgewachsen und steht somit symbolisch für die junge aufstrebende Generation. In seinen Liedern und seinen politischen Reden spricht er von einer Bekämpfung von Korruption, er initiierte bereits Kampagnen für Hygiene und eine bessere Gesundheitsversorgung in den Slums von Kampala und besuchte medienwirksam große Flüchtlingslager. Seit Jahren sieht die herrschende Regierung ihn als Kritiker und Herausforderer: mehrfach wurde er festgenommen oder von Musevenis Sicherheitspersonal angegriffen und misshandelt. Im aktuellen Wahlkampf tritt er seit Wochen öffentlich nur noch mit schusssicherer Weste und Helm auf.


Seit Monaten beschäftigt dieser Wahlkampf die gesamte Nation: Im November führte eine vorübergehende Festnahme von Robert Kyagulanyi zu einem Aufflammen von gewaltvollem Protest und Aufstand in der Hauptstadt Kampala: hierbei starben, je nach Quelle, innerhalb weniger Tage mehr als 50 Personen, viele weitere seien stark verletzt worden, ein Großteil durch den Gebrauch von Schusswaffen – durch die Polizei.


Für die Bevölkerung ist diese Zeit des Wahlkamps und der Wahlen eine angespannte Zeit: jeder wartet die Wahlen ab und beobachtet die Stimmung in Kampala und anderen Stadtzentren. Vieles scheint unter Stillstand zu stehen: der Import wurde reduziert, da man Angst vor wirtschaftlichen Einbußen durch möglicherweise anstehende Proteste hat. Dadurch wiederum sind einige Unternehmen in einer Produktionspause. Die Bevölkerung hat Reisen minimiert, da Angst vor Gewalt und Unruhen herrscht und man sich lieber in seinen Heimatorten zusammenfindet und die Hauptstadt meidet.


Bislang ist weder abzusehen, wie diese Wahl ausgeht, noch was in den nächsten Wochen in Uganda passieren wird – doch eins hat Bobi Wine bereits geschafft: die junge Bevölkerung hat ein wachsendes Interesse an Politik und das Gefühl der Mitsprache entwickelt.

Wir, als Go One Bugwere e.V., beobachten die Situation mit Aufregung und Anspannung. Wir hoffen auf friedliche Wahlen und einen demokratischen Ausgang der Wahlen ohne allzu große Unruhen – und vor allem: ohne weitere Tote durch Gewalt von Polizei und Militär.


Weiterführende Artikel hierzu:


https://www.sueddeutsche.de/politik/entwicklungsgelder-das-dilemma-der-hilfe-1.5163114 (Die Süddeutsche Zeitung, 01.01.2021, Das Dilemma der Hilfe von Bernd Dörries)


https://www.dw.com/de/bobi-wine-ugandischer-pr%C3%A4sidentschaftskandidat-in-haft/a-56098971 (Deutsche Welle, 30.12.2020, Ugandischer Präsidentschaftskandidat in Haft)


https://www.nzz.ch/international/uganda-wissenschaftliche-wahlen-werden-schmutziger-ld.1594130 (Neue Zürcher Zeitung, 29.12.2020, Ugandas „wissenschaftliche Wahlen“ werden immer schmutziger von Markus Spörndli)


https://www.derbund.ch/entfuehrt-erschossen-verscharrt-531971000964 (Der Bund, 05.01.2021, Entführt, erschossen, verscharrt von Bernd Dörries)


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